Unter dem Motto „Lost or Found in Translation?“ erörterten etwa hundert VertreterInnen unterschiedlicher geisteswissenschaftlicher Disziplinen aus über 30 Ländern vom 7. – 9. Dezember in Gießen interkulturelle und internationale Perspektiven der Geisteswissenschaften. Zu der dreitägigen Konferenz hatte ein Projektteam internationaler Doktorandinnen und Doktoranden in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) und dem International Graduate Center for the Study of Culture (GCSC) der Justus-Liebig-Universität Giessen eingeladen. In insgesamt neun Workshops diskutierten internationale DoktorandInnen mit renommierten ProfessorInnen und Vertretern aus der Hochschulpolitik über Möglichkeiten der Einbeziehung kultureller Unterschiede in die wissenschaftliche Praxis, die gesellschaftliche Verantwortung der Geisteswissenschaften in der gegenwärtigen Globalisierungsdebatte und über konkrete Handlungsmöglichkeiten ausländischer Wissenschaftler an deutschen Universitäten.
Über die inhaltliche Auseinandersetzung mit der Interkulturalität und Internationalität geisteswissenschaftlicher Forschung hinaus war die Tagung ein Versuch, einen „offenen Diskussionsraum” zu schaffen, „in dem Menschen aus verschiedenen Wissenschaftskulturen und aus verschiedenen Stufen der akademischen Hierarchie grenzüberschreitend miteinander reden können”, so der Sprecher der Projektteams Daniel Smilovski von der Universität Kiel. Die Themenauswahl spiegelte den Schwerpunkt auf einer kritischen Auseinandersetzung mit den Spannungen zwischen Kooperation und Wettbewerb: Den großen Trennungen wie „westlich vs. nicht-westlich“ oder „entwickelt vs. nicht entwickelt“ wurden neue „globale“ Topografien der Wissenschaftslandschaft gegenübergestellt. Mit transnationalen Projekten und Hochschuleinrichtungen sowie neuen offenen Netzwerke kamen zeitgemäße Alternativen zur Sprache. Ein Workshop mit dem Titel „Zwischen Geistes-Arbeit und Gast-Arbeit?“ fragte nach den Arbeits- und Lebenserfahrungen von Wissenschaftlern in fremden Ländern, die immer auch Erfahrungen mit der Fremdheit sind.
Die betont nichthierarchische Organisation der Konferenz fand bei den Teilnehmenden ebenso Anklang wie das offene Konzept, das schwierige Aspekte der Internationalisierung nicht ausklammerte. „Endlich wurden Themen und Probleme angesprochen, die ich in meinem Umfeld bis jetzt nicht oder nur selten thematisieren konnte”, fasste Tünde Beatrix Karnitscher von der Universität München ihren Eindruck zusammen.
Für eine erschöpfende Erörterung der vielfältigen Diskussionsthemen erwiesen sich die drei Tage der Konferenz als zu kurz. Es gibt jedoch bereits Pläne für eine Fortsetzung der Veranstaltung an der Universität Bremen. Außerdem plant das Organisationsteam ein Internet-Forum. Eine Publikation mit den Vorträgen und den Protokollen sämtlicher Diskussionen, die im Frühjahr/Sommer 2008 erscheinen soll, ist ebenfalls in Vorbereitung.





